Touchdowns, Touchdowns, Touchdowns?

Es ist das Beste, was die GFL zu bieten hat – und damit auch das Beste, was es im europäischen Vereins-Football zu erleben gibt: die schiere Angriffs-Power zweier auf bedingungslose Offensive ausgerichteten Mannschaften, der Kampf um die 34. Deutsche Meisterschaft, die mögliche Revanche für 2011 – der German Bowl XXXIV zwischen den Schwäbisch Hall Unicorns und den Kiel Baltic Hurricanes. Die Bühne im Berliner Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ist bereitet, die Party am Samstag,13. Oktober, beginnt um 16 Uhr, das Spiel um 18 Uhr, und für den Nachmittag und Abend ist für die Hauptstadt trockenes Wetter vorhergesagt, nur auf dem Feld werden also alle Zeichen auf Sturm stehen.

Letztes Jahr schlugen die Schwäbisch Haller ihren Kontrahenten von der Ostsee mit 48:44, allein im letzten Viertel wechselte die Führung im Finale fünfmal. Trotz Umbesetzungen im Angriff knüpfte das seit 21 Jahren von Cheftrainer Siegfried Gehrke gecoachte Team auch in der Saison 2012 nahtlos an das letzte Jahr an. Unter Leitung von Quarterback Jake Spitzlberger erzielte der Angriff in den 16 Spielen in GFL Süd und Playoffs über 100 Touchdowns. Top-Scorer neben Spitzlberger selbst war Receiver Fritz Waldvogel, aber die wahre Stärke schöpft die Unicorns-Offense aus der auch für GFL-Verhältnisse großen Anzahl von möglichen Optionen: den Running Backs Brian Rushing und Waldemar Schander sowie Receivern wie Waldvogel oder den Brenner-Brüdern Felix und Johannes.

„Einen Favoriten zu benennen, das überlasse ich den Kollegen von der Presse“, sagt Halls Head Coach Siegfried Gehrke im Vorfeld. Ihn lassen die Spekulationen kalt: „Mein Job ist es, das Team so vorzubereiten, dass wir das Spiel am Ende gewinnen – egal wer vorher als Favorit gehandelt wurde. Das Erreichen des Endspiels war für uns als Titelverteidiger in diesem Jahr so etwas wie die Pflicht. Natürlich wollen wir auch das Finale gewinnen, aber was jetzt kommt, das ist die Kür mit der Chance auf ein Sahnehäubchen.“

Eigens für den German Bowl hat Gehrke aber auch Thomas Hambalek nun noch einmal aus den USA zurückgeholt, was das Potenzial des gefürchteten Angriffs noch einmal multipliziert. Dass Spitzlberger und Waldvogel gegen Ende der Punktrunde verletzt pausieren mussten, steckten die Unicorns einfach weg – der Kader ist nicht nur in der Spitze, sondern auch in der Breite überdurchschnittlich besetzt. Einzige kleine Unsicherheit: Sind Spitzlberger und Waldvogel wenige Wochen nach recht ernsten Bänderverletzungen tatsächlich zu 100 Prozent fit und können das Letzte aus sich herausholen, wenn ein Gegner wie Kiel wartet?

Die Kiel Baltic Hurricanes hatten schließlich ihre Lehren aus der Niederlage im German Bowl des letzten Jahres gezogen, holten mit Joe Roman einen der besten Defensivtrainer der Liga in den Trainerstab von Head Coach Patrick Esume und sorgten mit Michael Tauiliili im Zentrum und Jacob Wyatt im Rückraum der Verteidigung für mehr Stabilität. Ebenfalls groß eingeschlagen hat ihre Neuverpflichtung auf der Position des Running Backs, Trevar Deed, der 2012 weit über 2000 Yards und 33 Touchdowns markierte. Dazu können die Kieler seit 2010 auf der Quarterback-Position mit Jeff Welsh auf Kontinuität setzen, und was den Schwäbisch Hallern die Brenner-Brüder sind, sind den Kielern die Dohrendorfs Julian und Philipp, sodass ihr Angriff dem des Gegners in nichts nachsteht.

„Hall ist der Meister und muss den Titel verteidigen. Wir haben diesen Druck nicht und sind hungrig“, so Kiels Head Coach Patrick Esume, der dem Showdown der beiden stärksten Teams des Jahres positiv entgegen sieht. „Ich denke, wir sind in diesem Jahr stärker als 2011. Wir haben im Schnitt 42 Punkte pro Spiel gemacht.”

Also wieder viele Touchdowns im German Bowl? Beinahe garantiert, jedenfalls findet sich vorab niemand, der der Annahme widersprechen will, dass beide Teams mindestens 30 oder 40 Punkte machen werden. Und daraus folgt zwangsläufig, dass ein dramatisches Spiel in Berlin geradezu unausweichlich ist, weil beide Mannschaften in der Lage sind, nahezu jeden Rückstand im Notfall binnen Minuten wieder drehen zu können…

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